Paramount übernimmt Warner Bros.: Warum die Kritik so heftig ausfällt
Im vergangenen Jahr schien es so, als hätte Netflix bereits alles unter Dach und Fach gebracht. Sogar eine E-Mail an die Abonnentinnen und Abonnenten hatte der Streaming-Riese Anfang Dezember verschickt, in der angekündigt wurde, dass Inhalte von Warner Bros. künftig bei Netflix verfügbar sein sollen.
Doch seit dieser Woche ist klar: Daraus wird nichts. Statt Netflix hat nun nämlich Paramount Skydance eine Vereinbarung zur Übernahme von Warner Bros. Discovery (WBD) unterzeichnet. Das Geschäft hat ein Volumen von 110 Milliarden Dollar (gut 93 Milliarden Euro). Der US-Streamingdienst Netflix hatte sich am Donnerstag aus der Übernahmeschlacht zurückgezogen.
Die Übernahme muss nun noch von den WBD-Aktionären bei einer ausserordentlichen Hauptversammlung am 20. März bestätigt und von den Regulierungsbehörden, insbesondere der Medienaufsichtsbehörde FCC, genehmigt werden. Ganz in trockenen Tüchern ist der Deal also noch nicht.
Filmbranche sieht Übernahme äusserst kritisch
Am Montag äusserte sich jedoch schon der CEO von Paramount, David Ellison, zu dem milliardenschweren Deal: Man habe die Chance, die Zukunft mitzugestalten und ein Medien- und Unterhaltungsunternehmen der nächsten Generation aufzubauen. «Das war von Anfang an unser Ziel», sagte der Sohn von Milliardär Larry Ellison demnach.
Es gehe um die Neuerfindung des Geschäfts. «Wir wollen unsere Reichweite vergrössern und unsere Fähigkeit verbessern, die fesselndsten Geschichten und Erlebnisse der Welt zu schaffen», erklärte er «The Hollywood Reporter» zufolge.
So positiv sehen die Übernahme aber längst nicht alle. «Lasst uns bitte alle Generalstaatsanwälte zusammenbringen und darüber sprechen, wie dies den Wettbewerb in der Branche zerstören und zu sinkenden Löhnen und einer geringeren Produktqualität für die Verbraucher führen wird», erklärte etwa Hollywood-Schauspieler Mark Ruffalo laut «Spiegel».
Damit bringt er die Bedenken der Branche auf den Punkt, die wohl auch im Fall eines Netflix-Deals laut geworden wären: Viele Filmschaffende befürchten nämlich, dass die Fusion zweier grosser Studios den Wettbewerb verzerren könnte. Das hätte womöglich zur Folge, dass die Qualität von Filmproduktionen abnimmt.
Das sieht auch die Writers Guild, eine bekannte Gewerkschaft von Hollywood-Drehbuchautor:innen, so: «Der Verlust des Wettbewerbs wäre eine Katastrophe für Autoren, Konsumenten und die gesamte Unterhaltungsindustrie.»
Auch CNN von Übernahme durch Trump-Unterstützer betroffen
Doch auch aus politischen Kreisen wird Kritik laut. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren erklärte laut «Spiegel» etwa:
Hintergrund dieser Aussage: Paramount-Chef David Ellison und sein Vater Larry Ellison gelten (im Gegensatz zu Netflix-Mitgründer Reed Hastings) als finanzstarke Unterstützer von US-Präsident Donald Trump.
Das ist besonders deshalb brisant, weil Paramount die gesamte WBD-Gruppe erwirbt, inklusive des Nachrichtensenders CNN. Der scheute bislang nicht davor zurück, kritisch über den US-Präsidenten zu berichten. Viele Beobachter befürchten, dass sich das unter dem Trump-Freund Ellison ändern könnte.
Völlig unbegründet ist die Sorge nicht: Die Nachrichtenredaktion des Paramount-Senders CBS schlug seit der Übernahme durch die Ellisons zum Teil einen freundlichen Ton gegenüber der Trump-Regierung an.
Netflix-CEO äussert sich zum Deal
In einem Interview mit Bloomberg hat sich Ted Sarandos, CEO von Netflix, zum ersten Mal zum Deal geäussert.
Laut Sarandos müsse Warner Bros. wegen des Deals Kosten in der Höhe von 16 Milliarden US-Dollar einsparen, um Schulden zu vermeiden. Dies führe sehr wahrscheinlich auch zu einem Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen. Ausserdem müsse Paramount Netflix eine Abfindung von 2,8 Milliarden US-Dollar zahlen, da die ursprüngliche Fusion abgesagt worden war.
(cmu, mit Material von afp und dpa)
